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Nicole: diesseits in Afrika

links Nicole lachend und rechts Dromedarkopf im Profil, sieht aus wie ein Kuss des Dromedars
Foto: Denise Ostermann

"Wenn ein Impuls kommt, muss ich dem nachgehen", sagt Nicole. Afrika war ein starker Impuls, der sie schon früh traf. Der Traum, eines Tages die Zelte in Deutschland ab- und in Afrika wieder aufzubauen, hatte sich klammheimlich in ihr Herz gestohlen. Nach vielen Besuchen, einem Volunteering und Dienstreisen nach Afrika wagte sie den Sprung.

 

Kennengelernt habe ich Nicole in Benin, wo wir beide einen Freiwilligendienst gemacht haben. Ich war sofort fasziniert von ihrer Offenheit, ihrem Humor und ihrem Strahlen. Die unverwüstliche Zuversicht, mit der Nicole immer wieder ihrem Lebensruf folgt, begeistert mich stets aufs Neue.

 

 "Ich brauche Sonne in meinem Leben"

 

Sie leben in einer ostdeutschen Kleinstadt. Nicole ist zwölf, als ihre Schwester ihren neuen Freund zu Hause vorstellt. Er kommt aus Togo. Nicole ist gebannt von seinen Geschichten über das Leben in Afrika. Das Umfeld lehrt sie dagegen hautnah, was Rassismus ist. Sie lässt sich nicht beirren. Ihre Schwester ebenfalls nicht: sie heiratet ihren Freund.

Afrikanerin in Straßenküche in Togo hinter großem Kochtopf und Geschirr sitzend
Foto: Barbara Braun

Mit 17 nimmt Nicole an einem Schüleraustausch in Kapstadt teil. Ihre Gastfamilie besucht sie bis heute regelmäßig. "Seitdem", sagt sie, "bin ich von Afrika infiziert".

Bei einem Heimatbesuch ihres Schwagers reist Nicole erstmals ins "richtige Afrika", wie sie augenzwinkernd erzählt. Westafrika tickt anders als das zum Teil sehr europäisch wirkende Kapstadt.

Zu viert schlafen sie in einem kleinen Zimmer. Sie benutzt die Eimerdusche, wartet mehrmals täglich auf das Ende des Stromausfalls, isst auf der Straße und kauft bei den allgegenwärtigen Straßenverkäufern ein. Es ist laut, heiß und staubig. All das stört sie nicht.

Sie genießt das "Laisser faire" und die Offenheit der Menschen, die "einfach nicht so grimmig schauen". Fast überall wird sie willkommen geheißen und bekommt Essen und Trinken angeboten, auch wenn die Leute selbst nur wenig haben. Das alles fasziniert sie bis heute. Dazu kommt die Sonne und das warme Klima: "Ich brauche Sonne in meinem Leben."

 

In Benin lernt sie eine dunklere Seite Afrikas kennen

 

Nicht alles in Afrika ist eitel Sonnenschein. Das ist Nicole klar. In Benin lernt sie eine dunklere Seite des Kontinents kennen. 2012/13 verbringt sie dort erstmals eine längere Zeit in Afrika.

Bei einem fünfmonatigen Volunteering arbeitet sie unter anderem in einer Grundschule. Sie gibt den Kindern, die sonst die Landessprache Fonbe und Französisch sprechen, Englischunterricht. Die Kleinen sind begeistert. Den Ordensschwestern, die die Schule betreiben, passt das nicht. Sie unterbinden den Unterricht ohne nähere Begründung und wollen sich von einer Weißen "nichts sagen lassen".

Während dies Nicole eher irritiert, ist sie entsetzt von den üblichen Disziplinierungsmaßnahmen der "christlichen" Schwestern: Schläge gibt es oft in afrikanischen Schulen. Hier aber werden die Kinder mit einem Gürtel versohlt oder müssen lange Zeit mit ausgebreiteten Armen in der Sonne knien.

In Nicoles Gastfamilie geht es ebenfalls rabiat zu. Sie sieht mehrfach, wie das Baby kleine Mengen an Alkohol bekommt. Die Familie lacht über Nicoles Einwände, die sich ohnmächtig fühlt, etwas ändern zu können. Schließlich ist sie zu Gast.

 

Die Liebe führt sie nach Abu Dhabi

Porträt von Nicole
Foto: Ali Mukaddes Pathan

Ein Jahr später nähert sich Nicole Afrika von einer anderen Seite. In ihrer neuen Stelle bei einer Hilfsorganisation ist sie für über 30 Projekte in Westafrika zuständig. Sie hält Workshops in Liberia und reist oft nach Benin. Meist hat sie mit Geberrichtlinien und Finanzen zu tun. Dabei hatte sie sich durch die Zahlen schon bei ihrem Abendstudium eher "durchgeschlagen."

Die Liebe führt sie schließlich nach Abu Dhabi. Ihre Hamburger Wohnung vermietet sie unter und tritt einen neuen Job bei einer Airline an: 12-Stunden-Tage mit 50 Minuten Pause. Das lange Sitzen bereitet ihr Rückenprobleme und Langeweile. Die weltoffene und sichere Stadt aber mag sie. Aus der Liebe zu dem Mann wird Freundschaft. Die Liebe zur Wüste und zur arabischen Kultur bleibt.

Noch einmal zurück in Deutschland arbeitet sie für eine weitere Hilfsorganisation. Als sie einen Workshop im Irak halten soll, spürt sie, dass ihr die politische Situation dort zuviel Angst macht. Wieder folgt sie ihrem Herzen und geht diesmal ganz.

Foto: Shariff Idarus
Foto: Shariff Idarus

Wenn gar nichts geht, geht Afrika

 

Nicole kündigt ihre Wohnung und tritt in Abu Dhabi einen befristeten Vertrag bei der Schweizer Botschaft an. Sie vertraut einfach, dass es auch danach gut weitergehen wird. Als sie dennoch keinen Job findet, greift ihr "Plan B: wenn gar nichts geht, geht Afrika".

Sie googlet Yoga und Afrika und stößt auf das Africa Yoga Project in Kenia. Spontan schreibt sie dem Manager und bekommt eine Stelle im Evaluationsbereich inklusive Zimmer. Zwei Wochen später zieht Nicole nach Nairobi.

Sie arbeitet drei Stunden täglich und nimmt an den Yogaklassen teil. Mal schwitzt sie mit 300 anderen beim Power Yoga in einem großen Saal. An anderen Tagen begleitet sie die Yoga Trainer zu kostenlosen Gemeindeklassen in die Slums von Nairobi. Nicole spürt, dass die Teilnehmenden trotz der harten Bedingungen Ruhe und Frieden aus dem Unterreicht mitnehmen. Sie seien hoffnungsvoller, seit sie Yoga machen, erzählen sie ihr.

 

Afrika ist eine Hassliebe

 

"Afrika ist eine Hassliebe", sagt Nicole. Die Lebendigkeit, die Menschen, die Sonne stehen der Korruption gegenüber, der Gewalt besonders gegen Frauen und Kinder. Für immer möchte sie nicht dort leben. Anfang März wird sie zurückkehren nach Abu Dhabi. Die Schweizer haben Nicole wieder eine Stelle angeboten. Und ihre geliebte Wüste ruft.

Nicole wird weiter ihrem Herzen folgen. Wenn Hindernisse auftauchen, ist sie ausgerüstet. Sie vertraut auf Gott und weiß: "Wenn ich es will, gibt es einen Weg, wenn auch noch unklar ist, welchen." Und dann hat sie noch ihr ultimatives Backup: Mama.

Und ihr Traum? Sie möchte einfach das tun, wo sie tief im Innern "Peace of Mind" spürt. Was und wo auch immer das sein wird.

 

 

Nicole im Profil, die Hände am Kinn eines Kamels, das ihr gegenüber steht
Foto: Denise Ostermann

Mehr über Nicole erfährst du auf ihrem Blog Yogafun in Africa.

Darüber kannst du sie auch kontaktieren. Sie freut sich.

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Kommentare: 4
  • #1

    Gnefkow , Roswita (Samstag, 03 Februar 2018 15:27)

    Liebe Nicole ,
    Damals war ich deiner Weltoffenheit sehr skeptisch gegenüber , heute freue ich mich , dass du deine Träume lebst und alles so gut meisterst.
    Du hast inzwischen so viele Erfahrungen gesammelt. Ich bin stolz auf dich und wünsche dir alles Gute für weitere Abenteuer in deinem Leben.
    Ich hab dich ganz doll lieb.
    LG deine Mum

  • #2

    Elisabeth (Samstag, 03 Februar 2018 19:44)

    Liebe Nicole,
    Du hast ja einen Mut! Ich bewundere Dich zutiefst.
    Das, was Du lebst, weckt in mir eine ganz alte Sehnsucht...
    Und immer ruft da so ein blödes "Das geht doch nicht..." Aber doch, es geht. Du machst es vor.
    1000 Dank dafür.
    Ich wünsche Dir, dass Du weiter so Deinem Lebensruf folgst und Dich nicht beirren lässt - weder von anderen noch von Dir selbst.
    Liebe Grüße von Elisabeth

  • #3

    Her Wifey 2 (Sonntag, 04 Februar 2018 16:18)

    Mein Herz,
    du Sonnenschein, du Sternenfunkeln, du riiiiiiiesen Herz.
    Du bist auf so viele Ebenen für mich besonders! Deine ungebeugbare Toleranz, deine grenzenlose Güte, dein herzerweichendes Strahlen.... immer wenn ich an dich denke sehe ich diese klaren, warmen, freundlichen Augen, dein riesiges Grinsen. Ich spüre die Wärme und höre dein Lachen. DU bist so gut! So wundervoll. Ich danke dir aus tiefstem Herzen für die Zeiten die da waren, die wir brauchten und du zukünftig kommen werden. Ich liebe dich, weil du den Mut hast zu sein, wer du bist! Gott segne dich!

  • #4

    Nicole Gnefkow (Montag, 05 Februar 2018 08:45)

    Ihr Lieben,

    danke für eure LIEBEvollen Kommentare - ich fühle mich zutiefst geehrt und freue mich so sehr darüber :-)
    Mum, du gibst mir immer wieder den Rückhalt, den ich brauche - dafür danke ich dir! Ich hoffe, du kommst mich dieses Jahr mal besuchen, wo auch immer ich dann gerade sein werde. Ich hab dich auch lieb <3
    Barbara, dir danke ich für dieses wundervolle Porträt von mir - deine Art zu schreiben hat mich vom ersten Buch an fasziniert - ich freue mich, mehr von dir zu lesen und dich irgendwo auf dieser Welt mal wieder ganz fest zu drücken und mit dir zu lachen!
    Elisabeth, danke dir für deine Worte! Ich kann es nur so wiederholen wie du es sagst: Folge deinem Lebensruf und bleibe glücklich :-) Denn am Ende zählen doch nur die Augenblicke, in denen wir aus tiefstem Herzen glücklich waren, in dem wir das gemacht haben, was uns eben glücklich macht.
    My 2nd Wifey,
    du lässt mich in der Sonne Afrikas erröten ;-) Ich vermisse und liebe dich unendlich!!! Oh Gott, wie sehr freue ich mich, dich irgendwann wieder zu sehen und mindestens 20 Sekunden lang zu drücken <3

    Bleibt glücklich, meine Lieben!

    Eure Nicole