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Anke, die Gemüsemama

Porträt Anke, rothaarig mit Brille und Piercings mit Noah im T-Shirt mit Karottenmotiv auf dem Arm
Foto: Holger Zeng

Wie Joghurt schmeckt, weiß Anke gar nicht mehr. Dabei kennt sie sich mit Essen und Kochen richtig gut aus. Tierisch gut und gut für die Tiere, denn sie kommen bei ihr nicht auf den Tisch. "Ich möchte keine Tiere essen, ihnen nicht schaden, und ich will nicht, dass ein Tier für mich getötet wird." Seit etwa neun Jahren isst Anke vegan. Auch als sie schwanger wird, gibt es keinen Zweifel: das wird ein Gemüsekind.

 

Auf eine gesunde Ernährung achtet schon ihre Familie in Ankes Kindheit. In ihrer Studienzeit probiert sie verschiedene fleischlose Varianten aus. Veganerin wird sie, als sie erkennt, dass auch in der Milchindustrie Tiere "wahnsinnig ausgebeutet" werden. Während andere Veganer öffentlich Schlachtvideos zur Abschreckung zeigen wollen, plädiert sie für den Verkauf von veganem Kuchen. Sie möchte eine positive Botschaft senden, Alternativen schmackhaft machen, denn sie ist überzeugt, dass damit mehr erreicht wird.

 

"Ich habe vertraut, dass das Baby gut versorgt ist, wenn ich gut versorgt bin"

 

Ankes Familie und Freunde stehen hinter ihr. "Die Oma von meinem Mann kocht uns jedes Mal ein veganes 3-Gänge-Menü", schwärmt Anke. Als junge Mama kauft sie Ratgeber und Kochbücher, stellt Breie zusammen, doch ihr Sohn hat anderes vor. Erst mit über einem Jahr beginnt Noah zu essen. Zuvor wird er nur gestillt. "Ich habe vertraut, dass das Baby gut versorgt ist, wenn ich gut versorgt bin." Vitamin B12 substituiert sie bei sich und später auch beim Kind. Sonst nichts. Natürlich achtet sie wie bei sich selbst auch bei dem Kleinen auf eine ausgewogene Vitalstoffzufuhr mit dem Essen.

Foto: Anke Helene
Foto: Anke Helene

Viele Eltern hat Anke zunächst nicht in ihrem Freundeskreis, erst recht keine veganen. Daher vernetzt sie sich online, lernt andere vegane Mütter in der Stadt kennen und genießt den inspirierenden Austausch.

Schließlich startet sie ihren Blog Gemüsebaby. Hier schreibt sie regelmäßig über ihre Erfahrungen als vegane Mama, teilt köstliche Rezepte und gibt Tipps rund um vegane Kinderernährung. Für sie als Onlinejournalistin dürfen Facebook und Instagram nicht fehlen oder - ganz analog - Gespräche auf Messen wie der Veggie-World oder der Bio-Fach.

"Wenn man von dem Thema erzählt, wird es normaler", hofft Anke, "viele glauben immer noch, vegane Ernährung sei gefährlich, erst recht für ein Kind. Dabei ist vieles, was wir essen, sowieso vegan oder vegetarisch. Wir nennen es bloß nicht so."

"Hier wird Essen weggeworfen"

 

Anke und ich sitzen in einem Straßencafé im Darmstädter Studentenviertel. Der fast unangetastete Salat unserer Tischvorgängerin ist noch nicht abgeräumt. Ein Obdachloser setzt sich kurz ans Ende des langen Tischs und schlingt hastig ein paar Happen des Salats runter. Anke bietet ihm an, den Salat für ihn einpacken zu lassen. Der Mann nickt dankbar. Sie bringt den Teller rein. Dort hat man wohl bemerkt, was Anke vorhat. Unser Wein kommt, den Salat sehen wir nicht wieder.

"Das ist so schlimm, wie das oft in der Gastro läuft", findet Anke. "Ich verstehe ja, dass die nicht dauernd Bettler hier wollen. Aber der Mann hat Hunger, und hier wird Essen weggeworfen."

Foto: Kathrin Dockhorn-Böhme
Foto: Kathrin Dockhorn-Böhme

Es macht Anke traurig, wie wenig Menschen über Ernährung nachdenken, über Verschwendung, aber auch über den Ursprung. "Sie verdrängen, dass ihr Steak von einem fühlenden, liebenswerten Lebewesen stammt. Es muss ja nicht jeder gleich aufhören, Fleisch zu essen. Aber wenn es weniger ist und bewusster, würde das schon viel bewirken."

 

"Von Noah habe ich gelernt, in vielem lockerer zu werden"

 

Noah weiß, dass Fleisch von einem Tier stammt, das zum Aufessen getötet wurde. Genauso wie seine Eltern findet er das nicht gut. Und er lernt auch von Anke, dass Leute, die Fleisch essen, deswegen nicht "blöd" sind. "Die denken darüber nicht so nach wie wir. Vielleicht wissen sie auch nicht, wie lecker die Tofuwürstchen sind", erklärt sie ihm. Noah versteht das mit seinen fünf Jahren gut und schlägt vor: "Wir können ihnen ja mal welche mitbringen."

Dass Noah einmal Fleisch essen möchte - bisher hat er noch nie welches probiert - kann sich Anke eher weniger vorstellen. Auf jeden Fall würde sie mit ihm reden. Er darf und soll seine eigenen Entscheidungen treffen. Auch jetzt schon. Im Naturkindergarten ist er seit kurzem kein veganes Kind mehr, sondern ein vegetarisches. Anke hat ihn gefragt, warum er das möchte. Es stellte sich heraus: wie alle kleinen Süßmäulchen will er als Nachtisch auch gerne mal einen Muffin... Die gibt es dort nicht in vegan.

"Von Noah habe ich gelernt, in vielem lockerer zu werden. Dann gibt's halt mal eine Ausnahme", sagt Anke. "Solange man sich das bewusst macht, ist das völlig in Ordnung." Die vegane Ernährung soll nicht zum Zwang werden. Dass Essen Spaß macht, ist Anke sehr wichtig.

 

Es geht um Nachhaltigkeit

 

Kleidung und Schuhe kauft Anke nicht gezielt vegan. "Dabei geht es mir um Nachhaltigkeit." Neue Ledersachen würde sie nicht kaufen, aber ihre alten Stiefel trägt sie weiter. Vom Wegschmeißen geht es ja auch keinem Tier besser.

Foto: Anke Helene
Foto: Anke Helene

Sie kauft selten Neues, bevorzugt Secondhand-Läden und Flohmärkte. Dann können es auch mal gebrauchte Wolle-Seide-Unterhemden für Noah werden, denn "im Winter gibt es einfach nichts besseres, wenn er draußen mit dem Kindergarten im Wald ist." Das ist allemal nachhaltiger als billige Synthetiksachen zu kaufen.

"Veganismus gehört für mich in einen großen Kontext von 'Wie wollen wir gut leben?' und 'Welche Werte möchte ich meinem Kind mitgeben?'"

 

"Du rettest die Tiere, indem du sie nicht isst"

 

Ihr Traum ist es, Noah ein gutes Vorbild zu sein. "Das fängt beim veganen Essen an, geht über 'wir helfen Menschen, die kein Geld haben' und dass beim Spielen die Playmofrauen auch Frauen heiraten und Männer Männer bis hin zu 'Farben sind für alle da'." Da darf Noah als Junge natürlich rosa Sandalen tragen und lange Haare, wenn es ihm gefällt.

"Wir sind zwar nicht christlich", erzählt Anke zum Abschluss, "aber ich sage zu Noah immer: du rettest die Tiere, indem du sie nicht isst - ganz ohne Arche."

 

Ich finde, Anke steckt schon mitten drin in der Erfüllung ihres Traums: sie ist ihrem kleinen Sohn eine wunderbare Mama. Und er ist ein tolles lebensfrohes und achtsames Gemüsekind.

 

Wenn du gerne mehr von Anke und Noah lesen möchtest, vielleicht selbst über eine vegane Ernährung für dich und deine Kinder nachdenkst oder einfach ein paar leckere Rezepte kennenlernen magst, kontaktiere sie über ihre Facebookseite Gemüsebaby oder über Instagram. Ihr Blog Gemüsebaby wird ebenfalls ganz bald wieder online sein.

 

Logo des Blogs: Schrift "Gemüsebaby - veganer Alltag. Mit Kind. Ganz normal", rechts und links ein paar Gemüse Augen

 

Du findest Anke über www.gemuesebaby.de,

auf Facebook unter Gemüsebaby,

oder folge ihr auf Instagram: @gemuesebaby

 

Sie freut sich auf dich.

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Kommentare: 4
  • #1

    Mona (Montag, 18 Juni 2018 14:17)

    Liebe Anke,
    gerade schmöker ich hier im Blog und, schwupp, ploppt ein neuer Artikel auf. Und wieder eine tolle Lebensträumerin!
    Das ist total berührend, wie Du Deinem Kind vermittelst, das Leben um uns herum zu achten.
    Die Eltern bleiben nun mal die allerwichtigsten Lehrer im Leben eines Menschen.
    Und dass das ganze nicht Verzicht ist, sondern Spaß machen kann, sieht man Euch beiden irgendwie an.
    Alles Gute für Euch und Eure Familie.
    Mona

  • #2

    Anke (Donnerstag, 28 Juni 2018 12:47)

    Liebe Mona,
    Danke für deine netten Worte <3

  • #3

    Nadja (Donnerstag, 28 Juni 2018 19:49)

    Liebe Anke ,
    ein ganz toller Artikel über euch beide. Du gibst deine Lebensphilosophie auf eine wunderbare Weise an Noah weiter. Selbst , wenn er auch mal andere Dinge ausprobiert, wird das, was du ihm
    vermittelt und vorgelebt hast, einen Einfluss auf ihn haben.
    Ihr seid ein tolles Beispiel und Vorbild für andere .

    Liebe Grüße von. Nadja

  • #4

    Die Lebensträumerin (Samstag, 30 Juni 2018 21:38)

    Liebe Nadja,
    es freut mich, dass Dir der Artikel über die beiden so gefällt und dass er Dich vielleicht inspiriert.
    Es ist einfach toll zu sehen, dass es möglich ist, solche achtsamen Wege Kindern zu vermitteln.
    Hab eine gute Zeit.

    Die Traumfängerin