Trotzdem weiterträumen

eine grün gestrichene Holzhütte. Davor eine Veranda mit weißen Pfosten und pinken Petunien n Blumenkästen. Um die Hütte Garten
Foto: Barbara Braun

Es rollt und rollt, das Virus. Und wirbelt das vertraute Leben durcheinander: Abläufe in Familie, Beruf, unter Freunden, im Alltag. Wir nuscheln hinter bunten Stoffstückchen, lächeln mit den Augen und tragen einen imaginären Meter fünfzig um uns her. Und unsere Träume? Vergessen, verloren? Darf man in Pandemie-Zeiten überhaupt träumen? 

 

Vielleicht hattest du einen Traum von einer großen Reise. Dieses Jahr sollte es endlich losgehen. Und dann kreuzt dir das Virus dazwischen. Du wolltest dein kleines Café eröffnen, alles war vorbereitet. Und nun durftest du keine Gäste haben. Du hast neue Songs geschrieben. Wochenlang habt ihr geprobt. Der Gig war ausverkauft. Abgesagt. 

Auf einmal ging es nicht mehr um das ferne Land mit all seinen Landschaften und Schätzen. Nicht mehr um die Freude, dass Menschen deinen leckeren Kuchen und die  Atmosphäre an deinen Tischen genießen. Nicht darum, mit deinen Klängen andere Herzen zu erreichen oder den Saal zu rocken. Angesagt war einfach, Alltag zu schaffen unter den ganz neuen Bedingungen - und gesund zu bleiben.

 

Die "Curve" ist inzwischen deutlich "geflattet", wenngleich wir nicht wissen, was noch kommt. Der öffentliche Raum füllt sich wieder. Aber wo sind unsere Träume?

Ich glaube, sie sind noch genau da, wo wir sie gelassen haben: in unseren Herzen. In meinem Herzen finde ich da größere und kleinere Träume. Ich finde solche, die sich nicht mehr erfüllen werden. Und ich entdecke die, die geduldig weiter warten, bis ihre Zeit zum Scheinen kommt. Da sind welche, die sich verändert haben. Und dann gibt es da noch ganz neue.

 

Alte und neue Träume

 

Die einzigartige Ruhe während des Lockdowns fand ich ein sehr besonderes Erlebnis. Mir ist bewusst, dass dies so zu erleben vielen Menschen aufgrund existenzieller Sorgen nicht möglich war. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es durfte.  

Das Innehalten hat in mir einen Traum geweckt und sehr spürbar gemacht: den Traum von einer leiseren Welt, einer achtsamen Welt, einer Welt, in der unser Planet aufatmen kann. Eine Welt, in der wir Menschen einfach eine weitere Art unter vielen sind und mit den anderen Wesen leben. In der Stille um mich spürte ich eine Ahnung davon, dass ein ganz anderes Leben möglich sein könnte.   

Foto: Barbara Braun
Foto: Barbara Braun

Und seit einem Jahr schon habe ich den Traum, in diesem Herbst wieder einmal in die Wüste zu reisen. Ob wir reisen werden, ist noch offen. Aber auch wenn die Reise ausfällt, darf der Traum bleiben, der Traum von der neuen Wüstenzeit. 

Doch weil die Wüste wegen Corona "wackelt" und ich wenigstens ein bisschen verreisen wollte, hat sich Anfang des Sommers ein anderer alter Traum erfüllt: eine Zeit allein in einer abgelegenen Hütte in der Natur. Meine Hüttenzeit war voller wunderbarer Begegnungen mit vielerlei nicht-menschlichen Wesen und mit mir selbst. Aus dieser Zeit bin ich ganz beseelt und voller Dankbarkeit zurückgekommen.

 

Die Träume würdigen

  

Da gibt es auf der einen Seite die Dankbarkeit für das Erlebte und die wahr gewordenen Träume. Auf der anderen Seite tut es weh, wenn Träume sich nicht mehr erfüllen lassen. Das war auch vor Corona schon so.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mich sehr in meine Kraft bringt, wenn ich beides würdige: das, was mir gelungen ist, was sich erfüllt hat, und das Erträumte, was nicht mehr in mein Leben kommen wird. Vielleicht inspiriert dich dies und du möchtest das wie ich in einem kleinen, selbst gestalteten Ritual ebenfalls tun. Schön ist es, dann auch auf die Träume schauen, die für dich noch wahr werden können, und die du durch dein Handeln ins Leben rufen kannst. Was könnte da dein nächster Schritt sein?

 

Ich möchte weiter träumen, auch in diesen herausfordernden Zeiten. Dabei vertraue ich darauf, dass meine Träume mich meinem Leben immer näher bringen. Dem Leben und mir selbst verspreche ich, meinen Blick immer wieder in mein Herz zu werfen und zu lauschen, wohin es mich ruft. Und wenn es sein muss, eben mit Distanz und Maske.

 

Wie wandeln sich deine Träume in dieser besonderen Zeit?

Welchen vielleicht ganz kleinen Traum kannst du dir jetzt erfüllen?

Vielleicht möchtest du den Lebensträumerinnen ein wenig davon erzählen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Elisabeth (Mittwoch, 12 August 2020 00:49)

    Wie schön, wieder hier im Blog zu lesen, liebe Lebensträumerin!
    Träume halten uns doch in diesen herausfordernden Zeiten in der Energie. Und Träumen ist absolut pandemiefreundlich. Man kann es überall tun und steckt andere allenfalls mit Mut, Freude und Inspiration an. Und die stärken die Abwehrkräfte.
    Sehr gerne träume ich weiter Trotzdem.
    Herzlichst,
    Elisabeth

  • #2

    Die Lebensträumerin (Montag, 17 August 2020 22:49)

    Liebe Elisabeth,
    vielen Dank. Es ist wunderbar, dass Du weiterträumen magst - trotzdem und vielleicht jetzt erst recht. Auf dass Dein Mut und Deine Traum-Freude viele anstecken mögen!
    Herzlichst,
    die Lebensträumerin