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Das Feuer hüten

Nahaufnahme Feuer in der Wüste
Foto: Barbara Braun

In der winterlichen Kälte erinnere ich mich besonders gerne an die abendlichen Stunden am Feuer, die ich mit Tuareg in der Wüste erleben durfte. Mir kommt das Bild, dass jeder Traum eine Flamme in uns entzündet. Danach liegt es an uns, sie am Brennen zu halten, damit der Traum Wirklichkeit werden kann. Deshalb ist es sehr wichtig, eine gute Hüterin unseres Traumfeuers zu sein. In der Wüste habe ich genau beobachtet, wie die Nomaden mit ihrem Feuer umgehen, um es zu schützen.

 

Habe ich eine neue Idee, einen neuen Traum entdeckt, springt ein Funke der Begeisterung über. Die Augen strahlen, alles ist voll von dem Zauber, der jedem Anfang innewohnt, wie Hermann Hesse es beschrieb. Der Zauber entzündet die erste kleine Flamme. Das Wunderbare ist, dieser zündende Funke ist wie ein Geschenk. Er kommt einfach so und hält das Feuer ein Weilchen in Gang. Zeit genug, durch mein erstes Handeln in Richtung Traumverwirklichung Holz zu sammeln. Wenn ich nichts tue, verglüht der Traum.

 

Was kann Holz sein, Brennstoff für meinen Traum?

 

Ein Stück Holz ist zum Beispiel jeder Gedanke an mein Ziel, an das, was ich wirklich erreichen will. Und ich lege Holz nach, wenn ich mir genau bewusst mache, wie es sich anfühlen soll, wenn sich der Traum erfüllt. Oder wenn der Traum schon ein paar Tage alt ist, immer wenn ich mich daran erinnere, wie es ist, wenn das Feuer der Begeisterung brennt.

Das wichtigste Brennmaterial für mein Feuer aber ist mein Tun: dass zwischen dem ersten Aufglimmen und dem Beginn der Umsetzung des Traums möglichst nicht allzu viel Zeit verstreicht. Das Anfangen und aktiv Dranbleiben lässt es ruhig brennen. Denn wenn das Feuer herunterbrennt, fehlt mir die Kraft zum Weitermachen. Und komme ich nicht ins Handeln, brennt mein Feuer nieder.

Immer wieder muss ich neues Holz sammeln, ranschleppen, zerkleinern, vielleicht trocknen. Manchmal ist es richtig Arbeit, das zu finden, was mein Feuer nährt. Ein anderes Mal fallen mir ein paar genau passende Scheite einfach vor die Füße. 

 

Mein Feuer braucht Aufmerksamkeit

 

Dabei ist es nicht nötig, permanent daraufzustarren und alles andere aus den Augen zu verlieren. Ich schaue einfach immer wieder einmal hin, rücke einen Ast gerade, lege etwas Holz nach. Nicht zu viel. Das Feuer braucht nicht übergroß zu werden, und es soll auch nichts abfackeln, das gar nicht verbrennen soll. 

Um ruhig und fortdauernd zu brennen, benötigt mein Feuer auch Sauerstoff und Raum. Für mein Traumfeuer heißt das, dass es einfach Zeit und Geduld bekommt.

 

Was das Feuer beseelt

 

Es braucht Freunde, die sich um das Feuer versammeln. Das haben mich die Nomaden gelehrt. Am Feuer erzählt man sich aufbauende Geschichten, singt Lieder, findet Heimat in der Dunkelheit.

Die Gäste können Wärme und Licht mitnehmen, ohne dass dies alles weniger wird. Und sie strahlen diese Energie wieder auf mein Traumfeuer ab und helfen so, es in Gang zu halten. 

Aber ich bin diejenige, die entscheidet, wer an meinem Feuer sitzt und Suppe schlürft. Ich achte darauf, dass niemand Wasser in mein Feuer schüttet und zum Beispiel seine Zweifel hineinkippt. Konstruktive Kritik lasse ich zu, denn auch Debatten darf es am Feuer geben. Aber ich erlaube nicht, dass jemand seinen Müll in meinem Feuer entsorgt, die Holzqualität bemängelt oder heimlich schon mal ein Öfchen mitbringt, weil er meinem Feuer nicht traut.

 

Die transformierende Kraft

 

Zu guter Letzt vertraue ich der transformierenden Kraft des Feuers, die meine Zweifel und Ängste, mein "das kann ich nicht" und "wie soll denn das gehen" umwandelt in Zuversicht und Mut, in ein "da tun sich ganz neue Möglichkeiten auf" und "da wachse ich über mich hinaus".

 

So hüte ich das Feuer meiner Träume.

 

Wie hältst du das Feuer der Begeisterung für deinen Traum in Gang?

Was ist dein Brennholz? Wen lädst du an dein Feuer ein?

Vielleicht hast du auch ein ganz anderes Bild für deine Traum-Begeisterung als das des Feuers.

 

Lass es uns Lebensträumerinnen wissen.

Zusammen bringen wir unsere Träume durch den Winter.

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Kommentare: 6
  • #1

    Sybille (Mittwoch, 06 Dezember 2017)

    Liebe Barbara, das ist ein wunderbares Mut machendes Sinnbild, und wie schön hast du unser Lagerleben darin eingebunden (das ist genau das, was dieses Mal vermisst habe)!

  • #2

    Chris (Mittwoch, 06 Dezember 2017 06:28)

    Liebe Barbara,
    beim Lesen deiner Traumgedanken fühlte ich mich sofort mitgenommen auf eine wunderschöne Reise in die Tiefen von mir selbst. Wie oft vergisst man im Alltag, dass es da auch noch etwas gibt, dass tief in einem schlummert und nur wieder aufgeweckt werden möchte.
    Danke für diese wunderschöne Inspiration

  • #3

    Elvira (Mittwoch, 06 Dezember 2017 08:29)

    Liebe Barbara,

    welch ein schönes Bild. Der Funke springt über. Das "heilige" Feuer der Nomaden, welches nicht verunreinigt werden darf, das wärmt und in dem Träume entstehen, die dann gelebt werden wollen. Gleich fühle ich mich wieder in die Wüste zurückversetzt. Das erste zarte Licht des beginnenden Tages. Mein Blick wandert zum Morgenstern und sehnsüchtig warte ich darauf, dass der Teemeister das Feuer entzündet, welches die Kälte vertreibt und das Herz wärmt.

    Ich wünsche dir einen Nikolaustag voller Wärme und Träume
    Elvira

  • #4

    Die Lebensträumerin (Mittwoch, 06 Dezember 2017 13:59)

    Ihr Lieben,

    das freut mich sehr, dass Euch das Bild des Feuers so anspricht.
    Es ist wunderbar für mich, Sybille, euch am Traum-"Lagerleben" teilhaben zu lassen.
    Und wenn das Feuer schlummernde Träume weckt, Chris, dann wünsche ich Dir, dass sie sanft und kraftvoll aufstehen.
    Wenn der Morgenstern den Tag ankündigt, liebe Elvira, dann wirst Du als Teemeisterin an Deinem Traumfeuer Deinen Gäste wärmenden Gedankentee schenken, wie Du es mit Deinem wundervollen Blog www.septemberfrau.de ja bereits tust.

    Seid mutige Hüterinnen Eures Feuers.

    Alles Liebe,
    Barbara

  • #5

    Nicole (Mittwoch, 06 Dezember 2017 20:08)

    Meine liebe Barbara,

    Großartig und bildlich und wärmend geschrieben wie immer - ich liebe deinen blog ���

    Verträumte Grüße aus Kenia,
    Nicole

  • #6

    Die Lebensträumerin (Mittwoch, 06 Dezember 2017 20:22)

    Dankeschön, liebe Nicole, für die afrikanischen Blumen.
    Herzlichste Grüße,
    Barbara