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Sybille, die Fotofee

Sybille hockt mit Gummistiefeln in einem Bach und fotografiert
Foto: Dieter Wagner

Einmal eine Ausstellung mit den eigenen Bildern haben! Dieser Traum meldete sich in Sybille immer wieder, wenn sie sich ihre stetig wachsende Fotogalerie anschaute. Sie fotografiert leidenschaftlich gerne. Ebenso liebt sie es zu reisen. Am besten beides zusammen. Nun entstand aus ihren Fotos und den Bildern zweier anderer Fotografinnen die Ausstellung "Dreimal Kuba", die noch bis Mitte Dezember 2017 in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte in Gießen zu sehen ist.

 

Ich habe Sybille vor gut einem Jahr auf einer Wüstenreise in Marokko getroffen und als eine Frau kennengelernt, die die Welt bestaunen kann, offen Fragen stellt, gerne lacht und die die ganz besondere Stimmung unserer Wüstenzeit mit ihren Fotos sehr authentisch eingefangen hat. Beruflich arbeitet sie als Bankkauffrau in Gießen, doch ein großer Teil ihrer Freizeit gehört der Fotografie.

Über viele Jahre hat Sybille Tausende von Fotos aufgenommen. Sie spürte und wusste, sie sind gut. Und sie sind eigentlich viel zu schade dafür, in Alben und auf Laufwerken ungesehen liegen zu bleiben. Dieser Gedanke begleitet Sybille schon lange. Weitergedacht hatte sie ihn nicht wirklich. "Ich vergleiche mich immer mit anderen", erklärt sie. Die Messlatte legt sie dabei meist ganz oben an, wohlwissend, dass sie es sich damit nicht leichter macht.

Wenn sie von einer Reise mit vollen Speicherkarten zurückkehrt und die Ausbeute zum ersten Mal am PC anschaut, ist sie meistens irgendwie enttäuscht. Dann schaut sie die Bilder erneut an. Sie sind ja doch nicht so schlecht. Und nochmal. Also, einige haben doch wirklich was. Und schließlich finden sich immer welche, die sie richtig mag. Und die sie wirklich gerne zeigen möchte.

 

Sie will ihre Bilder selbst gestalten, ausprobieren

 

Mit 14 kauft sich Sybille ihre erste Kamera. Nicht so ein Ritsch-ratsch-klick-Modell, wie sie damals verbreitet sind. Sie will ihre Bilder selbst gestalten, manuelle Einstellungen vornehmen, ausprobieren. Sie fotografiert bei Unternehmungen, im Urlaub und besucht eine Foto AG in der Schule. Mit 20 erwirbt sie eine Spiegelreflex-Kamera und lernt in der Volkshochschule, ihre Bilder selbst zu entwickeln. In einem Fotoladen in der Stadt spricht sie mit den dortigen Spezialisten über ihre Bilder und lässt sich Tipps geben.

Porträtfoto von Sybille mit weißer Bluse. Sybille schaut strahlend ins Bild.
Foto: Dieter Wagner

2003 wird sie Mitglied einer Fotogruppe. Nach einer Gruppenreise nach Venedig gibt es eine gemeinsame Ausstellung aller Teilnehmer. Sybille wählt zwei ihrer Bilder dafür aus. Die Kursleiterin lehnt eines mit einer diffusen Erklärung ab. "Heute würde ich einfach darauf bestehen, das zweite auch zu zeigen. Sie waren beide gut." Damals fühlt sie sich noch nicht sicher genug, dem "Fachurteil" der Kursleiterin zu widersprechen, die Sybilles Arbeiten oft nicht sehr wertschätzt.

Als einmal eine Kunsthistorikerin die Gruppe besucht und die Blickführung in Sybilles Bildern hervorhebt, macht es "klick" bei Sybille. Die Meinung einer einzelnen Spezialistin ist eben nur eine Meinung. Tief in ihrem Innern vertraut sie ihrem Gefühl, das ihr sagt, ihre Bilder haben ihren eigenen starken Ausdruck. Es lohnt, sich weiter umzuschauen, anderes Feedback zu holen. Schließlich wechselt Sybille in die Gruppe, zu der sie heute noch gehört. Hier ermutigt der Kursleiter alle Teilnehmer - auch wenn er Kritik übt - und sie unterstützen sich gegenseitig. Wie auch bei der Kuba-Ausstellung.

 

 

Als alle drei ihren Mut zusammenlegen, reicht er aus

Alte Frau mit langem Rock und Kopftuch, neben einer stehend, die rechte Hand auf dem Kopf, in der linken vor dem Körper ein zusammengekneueltes Tuch, überm Arm eine Tasche hängend
Foto: Sybille Klös

Wer von den drei ausstellenden Fotografinnen die Idee zuerst hatte, weiß Sybille gar nicht mehr genau. Alle drei sind Mitgliederinnen der Fotogruppe. Nach Kuba waren sie aber unabhängig voneinander gereist. Die frischgeborene Idee schieben sie erst einmal ein halbes Jahr vor sich her. Sybille fragt sich in dieser Zeit: "Will ich das wirklich? Sind meine Bilder gut genug? Ich bin doch kein Profi." Den andern beiden geht es ähnlich. Doch als alle drei ihren Mut zusammenlegen, reicht er aus.

 

Ein Ausstellungsort ist schnell gefunden, da eine der beiden anderen Fotografinnen in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte arbeitet. Dort gibt es öfter Ausstellungen, der Rahmen ist überschaubar für den Anfang, und es sind bereits Aufhängeschienen für Bilder montiert. Sie vereinbaren, jede von ihnen wählt zehn ihrer Fotos für die Ausstellung aus. Da meldet sich wieder Sybilles innere Kritikerin zu Wort. Sind die Porträts der einen Mitstreiterin nicht viel besser und hervorstechender als meine Fotos? Welche Bilder erzählen am besten von "meinem" Kuba, von dem, was ich an Eindrücken und Atmosphäre erlebt habe?

 

In dieser Phase geht es nicht nur um die Fotos, sondern auch darum zu entscheiden: ja, genau damit gebe ich mich preis. Auch wenn es nicht jedem gefällt, oder wenn andere es vielleicht besser können. Das hier bin ich! Das sind meine Bilder. Sie erzählen meine Geschichte. Sybilles Traum ist es, "diesen Teil von mir zu zeigen. Ich kann da etwas besonderes. Und das möchte ich sichtbar machen. Und ich will andere erfreuen. Natürlich geht es auch um Bestätigung. Es macht einfach Spaß zu hören, wenn es anderen gefällt, was ich tue."

Sie machen ihren Traum wahr

 

Sybille findet IHRE zehn Bilder. Nun gilt es, Rahmen zu kaufen und für die Ausstellung zu werben. Sie bereiten einen Artikel für die Lokalpresse vor. Dieser wird zwar aus ihnen unbekannten Gründen nicht veröffentlicht, aber unter den Terminen taucht die Ausstellung auf. Natürlich rühren die drei auch die Werbetrommel unter den eigenen Leuten. Für die Vernissage organisieren sie aus dem Bekanntenkreis passend zum Kuba-Thema Salsatänzer. Ein Fotograf, von dem sich Sybille schon als junge Erwachsene in dem Fotoladen beraten lassen hat, übernimmt die Laudatio. 

Etwa 50 Gäste kommen erwartungsvoll zur Vernissage, genießen Bilder, Atmosphäre, Sekt und Häppchen und unterhalten sich lange angeregt vor den Fotos. "Der Abend rauschte geradezu an mir vorbei", erinnert sich Sybille lächelnd, "ich war so aufgeregt und froh, dass wir zu dritt waren." Sie haben ihren Traum wahrgemacht.

Die Ausstellung wurde inzwischen bis Mitte Dezember verlängert. Zurzeit sind die drei im Gespräch mit einer Frankfurter Tanzschule, um sie dort noch einmal zu zeigen.

 

Ein erfüllter Traum kann Lust machen auf den nächsten. Sybille will noch eins draufsetzen: für 2018 plant sie eine Einzelausstellung über Marokko. Ich freue mich jetzt schon, ihre Bilder von zwei Wüstentouren, Fes und Marrakesch gerahmt im Großformat zu bestaunen. In klein habe ich sie schon gesehen: sie sind bezaubernd. Und es sieht da wirklich so aus - schließlich war ich ja auf der ersten Wüstenreise dabei.

 

Wenn du mehr von Sybilles Fotos sehen oder mit ihr in Kontakt treten möchtest, besuch sie auf ihrer Facebook-Seite Fotofee.

Lass es sie wissen, wenn dir ihre Arbeiten gefallen.

Ausstellungsplakat

 

 

Ausstellung "Dreimal Kuba"

Sybille Klös - Christiane Hegemann - Marianne Rupf

Evangelische Familien-Bildungsstätte Gießen

Wingert 18

35396 Gießen

 

Die Ausstellung kannst du während der Büroöffnungszeiten besuchen:

Montag bis Donnerstag:  9 - 12 Uhr und 15 - 17 Uhr

Freitag: 9 - 12 Uhr

Weitere Öffnungszeiten kannst du telefonisch erfragen unter 0641 - 96 61 20.

 

Die Ausstellung wurde bis Mitte Dezember verlängert.

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Johanna (Samstag, 25 November 2017 19:15)

    Liebe Sybille!

    Es ist toll, dass Du Deinen Traum von einer eigenen Fotoausstellung wahrgemacht hast.
    Bleib dran. Schon das eine Bild hier im Blog hat eine sehr berührende Ausstrahlung. Ich bin nicht auf Facebook. Daher kann ich die anderen nicht sehen. Aber auf jeden Fall war es richtig, Deinem Gefühl zu trauen und nicht der einzelnen Meinung einer Kursleiterin zu folgen und womöglich alles hinzuschmeißen.
    Ich wünsche Dir weiterhin alle Gute, viele spannende Fotomotive und ganz viel Erfolg mit der Marokkoausstellung! (Da ich in Norddeutschland lebe und nicht so mobil bin, kann ich sie mir in Gießen leider nicht anschauen.)

    Herzliche Mut-Mach-Grüße von Johanna

  • #2

    Elvira (Dienstag, 28 November 2017 16:26)

    Liebe Sybille,

    welch wundervolle Fotos auf deiner FB-Seite. Natürlich begeistern mich die Wüstenbilder am meisten, und du solltest unbedingt die Marokko-Ausstellung machen. UNBEDINGT.

    Ganz herzliche Grüße
    Elvira

    Hätte ich auf die einzelnen Stimmen gehört, wäre ich heute noch nicht in der Wüste gewesen.

  • #3

    Christina (Donnerstag, 30 November 2017 18:57)

    Sybille,

    das Bild, dass du hier veröffentlich hast, ist einfach unglaublich stark!!
    Lebe dich weiter so....da kommt ganz viel rüber......mache dein Ding daraus......
    Ein Geschenk ist das, dein Blick durch deine Kamera, zeigt den Menschen was sie vielleicht garnicht gesehen hätten.

    Weiterhin viel Freude
    Christina

  • #4

    Sybille (Mittwoch, 06 Dezember 2017 13:54)

    Liebe Barbara-Fatima,
    herzlichen Dank für deine liebevolle Portraitierung meines Fotofee-Traums! Es bestärkt mich, "dran" zu bleiben und meiner inneren Kritikerin gelegentlich den Raum zu entziehen ... Und lieben Dank für eure positive Resonanz. Auch sie trägt dazu bei, meinen Traum weiter zu verfolgen!